Zum Inhalt springen

Service- und Bereitstellungsmodelle

Auftrag

«Die Praxis Rosenweg fragt, ob sie sich um die Updates ihrer Server selbst kümmern muss», schreibt Simone Wyss. «Und die Gemeinde will wissen, ob wir eine Public Cloud sind. Was sagen wir den beiden?»

Lernziele

Nach diesem Kapitel kannst du:

  • Die Servicemodelle IaaS, PaaS und SaaS unterscheiden
  • Für jedes Servicemodell sagen, wer wofür verantwortlich ist
  • Die Bereitstellungsmodelle Private, Community, Public und Hybrid Cloud erklären
  • Wolkenwerk Bern und seine Dienste in diese Modelle einordnen

Die Servicemodelle sagen, welchen Teil des Stapels von der Hardware bis zur Anwendung der Anbieter liefert und welchen die Nutzenden selbst betreiben. NIST unterscheidet drei Modelle.

ModellDer Anbieter liefertDie Nutzenden betreibenBeispiel bei Wolkenwerk Bern
Infrastructure as a Service (IaaS)Rechenleistung, Speicher, Netz, VirtualisierungBetriebssystem, Laufzeit, Anwendung, DatenVMs aus OpenNebula für die Mitglieder
Platform as a Service (PaaS)zusätzlich Betriebssystem, Laufzeit und WerkzeugeAnwendung und Datendie Kubernetes-Plattform, auf die das Veloatelier seinen Webshop ausrollt
Software as a Service (SaaS)die fertige Anwendungnur ihre Daten und Einstellungendas lokale Sprachmodell als Dienst mit einer API

Mit jeder Stufe übernimmt der Anbieter mehr Arbeit. Im Gegenzug geben die Nutzenden mehr Kontrolle ab. Eine VM aus IaaS kann die Praxis beliebig einrichten, muss sich aber selbst um die Updates des Betriebssystems kümmern. Auf einer PaaS erledigt das Plattform-Team die Updates und bestimmt dafür auch, welche Laufzeiten und Versionen es gibt.

Die Abbildung zeigt die Schichten eines IT-Dienstes und wer sie im jeweiligen Modell betreibt. Diese Aufteilung heisst Modell der geteilten Verantwortung (Shared Responsibility Model). Die Daten und die Zugriffsrechte darauf bleiben in jedem Modell bei den Nutzenden. Auch wer eine Anwendung als SaaS bezieht, entscheidet selbst, wer darin welche Daten sieht.

Geteilte Verantwortung in den Servicemodellen Vier Spalten für den eigenen Betrieb, IaaS, PaaS und SaaS zeigen neun Schichten von Netz und Hardware bis zu Daten und Zugriffen. Im eigenen Betrieb betreiben die Nutzenden alle Schichten. Bei IaaS übernimmt der Anbieter Netz, Speicher, Server und Virtualisierung, bei PaaS zusätzlich Betriebssystem, Middleware und Laufzeit, bei SaaS auch die Anwendung. Daten und Zugriffe bleiben immer bei den Nutzenden. EIGENER BETRIEB Daten und Zugriffe Anwendung Laufzeit Middleware Betriebssystem Virtualisierung Server Speicher Netz IAAS Daten und Zugriffe Anwendung Laufzeit Middleware Betriebssystem Virtualisierung Server Speicher Netz PAAS Daten und Zugriffe Anwendung Laufzeit Middleware Betriebssystem Virtualisierung Server Speicher Netz SAAS Daten und Zugriffe Anwendung Laufzeit Middleware Betriebssystem Virtualisierung Server Speicher Netz Nutzende Anbieter

Die Bereitstellungsmodelle sagen, wer eine Cloud nutzen darf und wem sie gehört.

ModellWer sie nutztTypisch
Private Cloudeine einzige Organisationeigene Hardware im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Dienstleister
Community Cloudmehrere Organisationen mit gemeinsamen Anforderungenein Verbund von Spitälern, Gemeinden oder Hochschulen
Public Clouddie Öffentlichkeit, alle Kundinnen und Kunden eines Anbietersgrosse Anbieter mit Rechenzentren auf mehreren Kontinenten
Hybrid Cloudeine Organisation, die zwei oder mehr dieser Modelle verbindeteigene Private Cloud, die bei Lastspitzen Ressourcen aus einer Public Cloud dazunimmt

Wolkenwerk Bern ist eine Community Cloud. Die Mitglieder teilen sich eine Infrastruktur, weil sie ähnliche Anforderungen haben. Sie wollen ihre Daten in der Schweiz und unter eigener Kontrolle haben. Allein könnte keines der Mitglieder eine solche Cloud betreiben. Technisch sieht eine Community Cloud aus wie eine Private Cloud. Der Unterschied liegt darin, dass mehrere Organisationen sie gemeinsam nutzen und über sie bestimmen.

Public Clouds bieten weltweit Hunderte von Diensten an, sofort verfügbar und nach Verbrauch abgerechnet. Für viele Organisationen sind sie der einfachste Weg in die Cloud. Dieser Kurs baut bewusst keine Public Cloud nach. Du lernst die Dienste darunter kennen, indem du sie selbst betreibst. Wer eine eigene Cloud gebaut hat, kann besser einschätzen, was die Angebote der grossen Anbieter leisten und wo ihre Grenzen liegen.

Aufgabe Verantwortung

Die Praxis Rosenweg bezieht von Wolkenwerk Bern eine VM aus OpenNebula und betreibt darauf ihre Praxissoftware. Wer ist für die folgenden Punkte verantwortlich, die Praxis oder das Plattform-Team?

  1. Sicherheitsupdates für Ubuntu in der VM
  2. Ein defekter Arbeitsspeicher in einem Knoten
  3. Wer in der Praxissoftware welche Patientendaten sieht
  4. Das Backup der VM-Images
  5. Die Firewall-Regeln innerhalb der VM
Lösung
  1. Die Praxis, das Betriebssystem in der VM gehört bei IaaS zu den Nutzenden
  2. Das Plattform-Team, die Hardware liefert der Anbieter
  3. Die Praxis, Daten und Zugriffe bleiben immer bei den Nutzenden
  4. Verhandlungssache, meist bietet das Plattform-Team Backups der Images als Dienst an. Ohne Vereinbarung ist die Praxis für ihre Daten selbst verantwortlich
  5. Die Praxis, das Plattform-Team regelt nur das Netz ausserhalb der VM

Aufgabe Einordnen

Die Gemeinde Hinterbüel fragt, ob Wolkenwerk Bern eine Public Cloud ist. Antworte in drei Sätzen und nenne das richtige Bereitstellungsmodell mit Begründung.

Lösung

Nein, die Cloud von Wolkenwerk Bern steht nur den Mitgliedern der Genossenschaft offen. Weil mehrere Organisationen mit gemeinsamen Anforderungen sie zusammen nutzen und tragen, ist sie eine Community Cloud. Technisch funktioniert sie wie eine Private Cloud.

Texte und Abbildungen stehen unter CC BY-SA 4.0 und der Code unter der MIT-Lizenz. Die Quellen liegen auf GitHub.